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Landkreis Lichtenfels  Es war die größte Katastrophenschutzübung, die im Landkreis Lichtenfels jemals stattfand. Rund 500 Einsatzkräfte von Feuerwehren und weitere 150 Kräften aus dem Rettungsdienst haben am Samstag am ICE-Tunnel Eierberge den Brand eines Zuges mit rund 100 Reisenden geprobt und dabei ihr Zusammenwirken getestet. Der Tunnel Eierberge ist mit 3.756 Kilometer der längste auf bayerischer Seite. Er erstreckt sich von Wiesen bis Püchitz. Die fünf Rettungsplätze sind über öffentliche Straßen erreichbar.

Das Szenario: Ein Regionalexpress mit Doppelstockwaggons fing Feuer und musste mitten im Tunnel zwischen zwei Notausgängen halten. Im Zug befanden sich 16 „verletzte“ Personen, die aufgrund ihrer Verletzungen auf Hilfe der Rettungskräfte angewiesen sind. Erschwerend kamen eine dichte Rauchentwicklung (simuliert durch eine Nebelmaschine) und lange Wege hinzu.

„Mein Bein, mein Bein, ich kann nicht mehr laufen“, wimmert ein „Verletzter“. Ein anderer ruft ebenfalls um Hilfe, macht sich lautstark durch Klopfen bemerkbar. Einige Meter weiter liegt eine verletzte Frau, die keinen Ton von sich gibt. Gemimt werden die Verletzten von Statisten, die entsprechend geschminkt sind. Wer noch gehen konnte, hat den Unfallort verlassen und sich entlang der Handläufe ins Freie gebracht.

Zum Einsatz kommen sogenannten Tunnelbasiseinheiten (TBE), eine Zusammenstellung von Feuerwehrfahrzeugen und der dazugehörigen Mannschaft. Eine Tunnelbasiseinheit besteht aus maximal vier bis fünf Einsatzfahrzeugen und den entsprechenden Equipment. An der Strecke haben die Landkreise Coburg und Lichtenfels insgesamt neun TBE aufgestellt, die bei Großschadensereignissen durch drei TBE aus Thüringen unterstützt werden. Anders als bei einem Wohnungsbrand gilt bei einem Brand in einem Tunnelbauwerk, der Grundsatz „Löschen um zu retten“. Durch ein einheitliches Einsatzkonzept auf der gesamten Strecke, eine einheitliche Ausbildung sitzt jeder Handgriff. Dennoch stehen Rettungskräfte vor einer großen Herausforderung. Da die Notausgänge weit voneinander entfernt sind, müssen sie weite Wege zurücklegen.

Im Übungsfall, wie auch im Ernstfall kommen nach der Alarmierung auf die ersteintreffende Einheit, in der Regelfall wird es die Ortsfeuerwehr sein, Erkundungsmaßnahmen, Aufbauarbeiten und Bereitstellung der Löschwasserversorgung zu. An jeden Rettungsplatz stehen rund 100 Kubikmeter Löschwasser zur Verfügung. Unterdessen macht sich der Erkundungstrupp ein Bild von der Lage und meldet die Erkenntnisse weiter an die entsprechende Einsatzzentrale. Zeitgleich rücken Löschtrupps zum brennenden Zug vor, auch die Such- und Rettungstrupps setzen sich in Bewegung, um zu den Verletzten vordringen. Dazu sind die Wehren mit sogenannten Langzeitatmer für Einsatzzeiten von bis zu 90 Minuten ausgerüstet. Zum Einsatz kommen Schleifkorbtragen und Suchstöcke. Ein Notarzt nimmt sich der Verletzten an und weißt ihnen blinkende LED-Lichter zu. Rot heißt, der Verletzte muss unmittelbar behandelt werden. Gelb, er kann noch etwas warten. Schließlich werden die ersten „Verletzten“ aus dem Tunnel gebracht. Auch im aufgebauten Behandlungszelt läuft alles wie am Schnürchen. Unterdessen geht die Suche nach Verletzten im Tunnel und im Zug weiter. Zum Einsatz kommen auch Suchstöcke, mit denen sich unter den Sitzbänken gerutschte Personen auffinden lassen. Ähnliches gilt für Wärmebildkameras.

Konkret waren an der Einsatzübung rund 650 Einsatzkräfte beteiligt. Neben den Feuerwehren auch der Rettungsdienst, die Psychosoziale Notfallversorgung, aus den Landkreisen Lichtenfels, Coburg und Sonneberg sowie der Stadt Coburg, die Bundes und Landespolizei, das THW sowie die Deutsche Bahn AG. Weiterhin die Führungsgruppe Katastrophenschutz beim Landratsamt Lichtenfels und die Örtliche Einsatzleitung des Landkreises Lichtenfels. Im Einsatz waren rund 150 bis 200 Fahrzeuge.

„Das Konzept entspricht den Erwartungen“, lautete das Resümee von Landrat Christian Meißner. Durch die Übung konnten wertvolle Erkenntnisse in der Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen gewonnen werden. Bei der Auswertung des Einsatzes werde man sehen, wo noch „nachjustiert“ werden muss. Die Vollübung sei Teil des Planfeststellungsbeschluss gewesen. „Schwer beeindruckt“ zeigte sich auch Staatssekretär Gerhard Eck, selbst Feuerwehrmann. Die Herausforderungen, die solch ein Einsatz stelle, ließen sich nicht beschreiben. Den von der heimischen Landtagsabgeordneten Emmi Zeulner (CSU) angeregte Lastenaufzug sei gut angelegt.

Am Samstag waren im Landkreis Lichtenfels fast alle Rettungskräfte mit der Vollübung gebunden. Falls es zu einen Schadensereignis gekommen wäre, dann wäre die Bevölkerung nicht ohne Schutz dagestanden. „Wir ziehen die Feuerwehren nach“, sagt Stefan Zapf, Kreisbrandinspektor aus dem Landkreis Coburg. Beispielsweise wäre für Kaltenbrunn die Feuerwehr aus Seßlach zuständig gewesen.

 

Bericht NP-Coburg